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Musik
Instrumentenbauer
Tasten
instrumente
eit 1985 baut Martin Pühringer
Clavichorde und Kielinstrumente in
seiner Werkstatt am Rande des oberöster-
reichischen Böhmerwaldes, einer seit Jahr-
hunderten bevorzugten Quelle für ausge-
suchtes Resonanzholz. Der Einsatz von Ma-
terialien, Werkzeugen und Methoden, wie
sie auch den alten Meistern zur Verfügung
standen, ist für ihn eine selbstverständliche
Voraussetzung für die
Qualität seiner Arbeit.
So entstehen pro Jahr
etwa zwei von Hand ge-
fertigte Instrumente für
Liebhaber, Kenner und
diverse Institutionen.
Zahlreiche Veranstalter
im In- und Ausland ver-
trauen auf seinen Konzertservice und mie-
ten Instrumente für Konzerte, Kurse oder
Aufnahmen. Gelernt hat Martin Pühringer
sein Handwerk zunächst bei Ferguson Hoey
und Philip Smart in Oxford (1983-84) sowie
Martin Pühringer
Cembalobau
durch stetiges Studieren alter Instrumente
in den verschiedensten Privatsammlungen
und Museen in Europa. Die Instrumente
sind in den seltensten Fällen genaue Kopien
(ein umstrittener Begriff!), sondern von
bestimmten historischen Originalen oder
Traditionen inspirierte Einzelstücke, von
denen keines einem anderen je gleicht. Sie
haben durchaus ihre Eigenheiten, die die
CembalistInnen
mitunter heraus-
fordern, sich auf
ihr Gegenüber
behutsam einzu-
stellen. Dann aber
wird vielleicht
das Musizieren
ein berührendes
Erlebnis für Musiker und Zuhörer gleicher-
maßen und vermag „denen Liebhabern
zur Gemüths-Ergetzung“ zu dienen. Seine
Instrumente finden sich in privater und
öffentlicher Hand in Europa und Übersee.
S
Das Österreichische Cembalo
Cembalo nach J. Leydecker, Wien 1755
Das eher dünnwandige Gehäuse war häufig aus einem
Nadelholz, furniert oder farblich gefasst, manchmal auch
aus Hartholz (Nussbaum). Saitenmensur und -material, Steg-
querschnitte und Resonanzbodenanlage zeigten italienische
und deutsche Einflüsse. Charakteristisch waren u.a. abge-
schrägte Klaviaturbacken, ein herausnehmbares
Vorsatzbrett, Blockrechen oder die innen
aufgeleimten Springerleistenträger. Das we-
sentlichste Merkmal aber ist die so genannte
„Wiener Baßoktav“ mit ihren mehrfach
gebrochenen Tasten. Einige wenige Stücke
können nur auf einem derartigen Instrument
adäquat wiedergegeben werden (z.B. Haydns
Capriccio G-Dur Hob. XVII/1 „Acht Sauschney-
der müssen sein“). Vermutlich bis 1770-1780
war diese Sonderform der kurzen Oktav vor allem
im österreichischen Cembalobau – und vielleicht nicht
nur dort – sehr wahrscheinlich eher die Regel und nicht
die Ausnahme.
Martin Pühringer
1) Alfons Huber (Hg.), Das österreichische Cembalo, Tutzing 2001
as Cembalo wurde vor über 600 Jahren vom Wiener
Arzt und Astrologen Hermann Poll (*1370) erfunden,
soweit die Quellenlage.1) Poll wurde imÜbrigen 1401 in Nürn-
berg aufs Rad geflochten und zu Tode gefoltert. Geschah
dies infolge einer politischen Intrige, als Strafe für
diese Erfindung oder als Strafe für die Behaup-
tung dieser Erfindung, wir wissen es nicht.
Ähnliches würde einem Österreicher heute
für eine derartige Anmaßung vermutlich
nicht mehr passieren. Weshalb so wenige
österreichische Cembali erhalten sind,
liegt vielleicht daran, dass die Hoch-
blüte des Klavierbaus im Wien des
ausgehenden 18. Jh. das Cembalo
schließlich völlig verdrängte. Wenn auch
nur ein knappes Dutzend österreichischer
Kielinstrumente bekannt ist, so haben wir
doch ein relativ klares Bild davon, wie ein
typisch österreichisches Cembalo ausgesehen
haben könnte. Es war zumeist einmanualig,
hatte zwei 8´ Register und gelegentlich
einen Lautenzug.
D
Martin Pühringer
Cembalobau
Clavichorde und
Kielinstrumente
Neubau, Restaurierung
Verleih, Konzertservice
4170 Haslach, Stelzen 8
Tel.: +43-(0)664-658 17 13
Sprachen:
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