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Friedrich der Große gründete Sachsen-
hausen als Spinnerdorf im Jahr 1753.
Zum Jubiläumsjahr „Friedrich 300“ wird
in der Jean-Clermont-Schule von März
bis Juni eine Ausstellung zur Grün-
dungsgeschichte des Ortsteils gezeigt.
Die Historikerin Ulrike Unger aus Lee-
gebruch begleitete die Vorbereitungen.
Frau Unger, Sie haben viele Jahre im
Rheinland gelebt. Wie sind Sie dazu
gekommen, sich mit Brandenburg zu
beschäftigen?
Die brandenburgisch-preußische
Geschichte hat seit der frühen Neuzeit
viele Berührungspunkte mit der rheini-
schen Landesgeschichte, zum Beispiel
durch Besitzungen am Niederrhein im
17. Jahrhundert. Gebietsweise gab es
den gleichen Kurfürsten. Im Jahr 2000
bin ich mit meinem Mann nach Berlin
gezogen. Nach unserem Umzug habe
ich den weiterbildenden Ergänzungs-
studiengang „Geschichte der Berlin-
Brandenburgischen Kulturlandschaft“
an der Humboldt-Uni besucht. So habe
ich mir eine Grundlage geschaffen, um
auch für diese Region zu forschen.
Wie ist die Zusammenarbeit für die
Ausstellung in der Jean-Clermont-
Schule entstanden?
Ich war im Oranienburger Stadtarchiv,
um Dokumente zur frühen Leegebru-
cher Geschichte zu suchen. Wir wohnen
dort seit 2008 und seitdem bin ich
auch im Geschichtsverein aktiv. Beim
Durchforsten stieß ich auf die Sachsen-
hausener Gründungsurkunde. Sie hat
mich sofort fasziniert, denn sie enthält
eine Originalunterschrift von Friedrich
dem Großen. Es hat mich gereizt, sie in
die heutige Schrift zu übertragen. Und
so kam eins zum anderen …
Wie lange haben Sie dafür gebraucht?
Anfang 2011 habe ich damit begonnen,
die Urkunde zu übertragen. Das hat
mehrere Wochen gedauert, denn ich
habe immer wieder zwischendurch
daran gearbeitet.
Was haben Sie dabei herausgefunden?
Die Gründungsurkunde ist eine so
genannte Beweisurkunde aus dem
Jahr 1753. Sie besteht aus der Grün-
dungsbestätigung von Friedrich
dem Großen und der dazugehörigen
Erbverschreibung. Das erhöht ihren
Wert kolossal. Die Sprache ist eine Mi-
schung aus Hoch- und Niederdeutsch
mit eingestreuten französischen und
lateinischen Begriffen. Der Satzbau war
gewöhnungsbedürftig, denn er erinnert
an den lateinischen.
Gab es Überraschungsmomente?
Ja, da gab es einige! Das Wort „ver-
silbern“ tauchte im Text auf und ich
habe gedacht, dass es etwas anderes
bedeutet, als in unserem heutigen
Sprachgebrauch. Aber es wurde schon
damals so verwendet. Außerdem habe
ich im Oranienburger Kirchenbuch
festgestellt, dass der neue Ortsname
Sachsenhausen wohl gewöhnungsbe-
dürftig war. Der damalige Pfarrer trug
ihn zu Beginn noch als „Saxenheim“ in
das Kirchenbuch ein.
„Wie ein Archäologe, der buddelt
Anlässlich des Jubiläumsjahres zum 300. Geburtstag Friedrich des Großen wird in
KULTUR
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Welche Menschen siedelten sich in
Sachsenhausen an?
Ursprünglich sollten dort Sachsen
siedeln. Aber es kamen auch Meck-
lenburger, Thüringer, Württemberger,
Holländer und Schweizer.
Welche Voraussetzungen fanden die
Kolonisten vor Ort?
Die Voraussetzungen waren gut.
Friedrich war daran gelegen, durch
Vita Ulrike Unger
Ulrike Unger wurde
im Januar 1945 in
Frankfurt (Oder)
geboren. Ihre
Familie ver-
schlug es nach Kriegsende ins nie-
derrheinische Düsseldorf, wo sie
aufwuchs. Dort nahm sie ein Stu-
dium der Geschichte und Politikwis-
senschaften auf, das sie mit dem
Magister beendete. Ulrike Unger
arbeitet als Historikerin mit dem
Schwerpunkt auf Landes- und Orts-
geschichte. Mit ihrem Mann lebt sie
seit 2008 in Leegebruch.
Ulrike Unger im Stadtarchiv: Eigentlich war die Historikerin auf der Suche nach Informatio-
nen zu Leegebruch. Dabei fiel ihr die Gründungsurkunde Sachsenhausens in die Hände.