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– und manchmal etwas findet“
der Jean-Clermont-Schule eine Ausstellung zur Gründung Sachsenhausens gezeigt
KULTUR
hofftes vermitteln. Ich fühle mich dabei
wie ein Archäologe, der buddelt – und
manchmal etwas findet.
zur ausstellung
»
Friedrich 300
«
:
Dieses Jahr
steht ganz im Zeichen von Fried-
rich II. (1712 bis 1786), König von
Preußen, auch bekannt als der
„Alte Fritz“. Unter dem Titel „300
Jahre Friedrich II. – Gründer des
Spinnerdorfes Sachsenhausen“
präsentiert die Stadt in der Jean-
Clermont-Schule vom
19. März bis zum 17. Juni
eine Ausstellung zur Gründung Sachsenhausens.
Neben Zitaten und Bildern Friedrichs gibt es
auch die nachgedruckte Gründungsurkunde zum
Anfassen. An ausgewählten Tagen wird zudem
das Original (siehe Bild unten) gezeigt.
Darüber hinaus werden Tafeln mit einer zeilenge-
nauen Übertragung der Urkunde, zur Geschichte
des Spinnerdorfes und eine Karte der Maulbeer-
plantage sowie der Nachbau eines Kolonisten-
hauses ausgestellt.
die öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 9-14 Uhr
Samstage und Feiertage, am 18.5. sowie
vom 4. bis 14.4. (Osterferien): geschlossen
Sonntag: 10-16 Uhr geöffnet, außer Ostersonn-
tag; Sonderführungen und Ortsrundgänge
Von Juni bis Dezember 2012 ist die Ausstel-
lung im Schloss Oranienburg zu sehen.
Alle Informationen und Öffnungs-
zeiten unter
www.oranienburg.de
zusätzliche Spinnerfamilien die Bevöl-
kerung zu mehren und die Wirtschaft
zu befördern. Schon Ende 1752 kamen
die ersten der 50 Familien, ausschließ-
lich Feinwollspinner, an. Jede Familie
bekam eine Doppelhaushälfte und ein
Stück Ackerland. Zu dieser Zeit war
das ein verlockendes Angebot. Auch
viele Tagelöhner kamen nach Sachsen-
hausen. Sie versprachen sich hier ein
besseres Leben.
Welche Bedeutung hatte Sachsen-
hausen für die Seidenproduktion in
Preußen?
Um 1750, noch vor dem Aufbau des
Dorfes Sachsenhausen, ließ Friedrich
der Große aus 6000 Maulbeerbäumen
und 42000 Setzlingen eine Muster-
plantage anlegen. Die Plantage sollte
das ganze Land Preußen mit Nach-
schub an Maulbeerbäumen versorgen,
denn die Blätter dienten als Nahrung
für die Seidenraupen. Auf dem Gelände
sollte außerdem eine Schule errichtet
werden, in der die Menschen das
Spinnen erlernen sollten. Ob es dazu
kam, ist allerdings nicht belegt. Seide
selbst wurde in Sachsenhausen nicht
produziert.
Bis wann gab es die Maulbeerplantage?
Als Friedrich aus dem Siebenjährigen
Krieg (1756-1763,
die Redaktion
) zurück-
kehrte, sah er, dass der Pächter die
Plantage hatte verlottern lassen. Fried-
rich verpachtete das Plantagengelände
daraufhin an den königlichen Beamten
Hagemann, der noch 1 000 Bäume
erhielt und vier Kolonistenfamilien an-
siedelte. Aber bald nach Friedrichs Tod
ging der Seidenbau unter. Er war im
Prinzip sowieso nur ein teures Hobby,
das sich niemals gerechnet hat. Einige
Bäume gibt es heute in Friedenthal
aber immer noch.
Was bedeutet die Ausstellung Ihrer
Meinung nach für Sachsenhausen?
Ich denke, dass die Sachsenhausener
durch die Ausstellung die Chance be-
kommen, die Wurzeln ihres Ortes bes-
ser kennenzulernen und dass dadurch
ihre Identität gestärkt wird.
Im Rahmen der Ausstellung an der
Jean-Clermont-Schule bieten Sie auch
Sonderführungen an. Welchen Themen
gehen Sie nach?
Die erste Führung dreht sich um die An-
siedlung der Spinnerfamilien und um
das Thema Wolle. Die zweite Führung
behandelt das Thema Maulbeerbäume,
die dritte den „Abschied von Wolle und
Seide“.
Wie betrachten Sie die Person
Friedrich II?
Für mich ist er eine sehr charismatische
Persönlichkeit, er hat schon zu Lebzei-
ten polarisiert und ist in seiner Viel-
schichtigkeit einfach nicht zu packen.
Ich bin mir sicher, dass es am Ende
des Jubiläumsjahres viele neue Fragen
geben wird.
Arbeiten Sie bereits an einem neuen
Projekt?
Ja. Neben meiner Arbeit für Leegebruch
möchte ich nach Ende der Ausstellung,
das Oranienburger Amtsbuch von 1573
übertragen. Mich fasziniert, dass die
alten Schriften und Sprachen mir einen
Einblick in die Zeit und in oft Unver-
Die Original-Gründungsurkunde
Sachsenhausens
mit der Unterschrift Friedrich des II. aus dem Jahr 1753
stadtarchiv oranienburg