Seite 24 - Musikinstrumentenbauer - Berlin/Barandenburg/Mecklenburg-Vorpommern

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JOHANN MATTHIAS SPERGER (1750-1812)
m 13.Mai 2012 jährt sich zum 200. Male der Todes-
tag des Kontrabassisten und Komponisten Johann
Matthias Sperger. Nur 62-jährig starb er in Ludwigslust,
seiner Wirkungsstätte, wo er fast ein Vierteljahrhun-
dert in der Hofkapelle des Herzog Friedrich Franz I.
von Mecklenburg-Schwerin in großem Ansehen
stand. Was wissen wir über Johann Matthias
Sperger, den zweifellos bedeutendsten Kontrabas-
sisten des 18.Jahrhunderts, den anerkannt bedeu-
tendsten Kontrabassisten der deutschen Schule?
Allein, dass in seinem Repertoire und in seinem
Nachlaß fast die gesamte, erhalten gebliebene
konzertante Literatur für den Solokontrabaß einer
gesamten Musikepoche, der Wiener Klassik, zu finden
war, ist in der Musikgeschichte einmalig.
Spergers Lebensgeschichte ist eine interessante
Musikerlaufbahn des 18. Jahrhunderts, die
ihm Anerkennung bei seinen Kollegen und
allerhöchste Achtung bei seinen Brotgebern
einbrachte. Da sich die musikgeschichtliche
Forschung mit der Person Spergers bislang nur
sporadisch beschäftigt hat (umfangreichere Ar-
beiten: Dr.Adolf Meier, Dr. Josef Focht), obliegt
es nun den Praktikern, den Anstoß zu geben,
auf einen Komponisten aufmerksam zu ma-
chen, der in die erste Reihe der bedeutendsten
Persönlichkeiten der Kontrabaß-Geschichte
gehört.
Die Vielfalt seines musikalischen Schaffens
zeugt von einer außergewöhnlich kreativen Persönlichkeit.
Neben vielen Werken verschiedenster Besetzungen finden
sich allein 45 Sinfonien, viele Solokonzerte für verschiedene
Instrumente und sehr viel Kammermusik, darunter die
„Ankunfts-Sinfonie“, geschrieben als bewußtes Gegenstück
zu Haydns Abschiedssinfonie sowie die „Konzertante Sin-
fonie für Flöte, Viola, Solo-Kontrabass
und Orchester“, die er dem selbst
musizierenden König von Preußen
widmete und vor dem er mehrere
Male solistisch konzertierte. Die
Entdeckung seines Kontrabass-
Konzertes Nr.15 beschert uns
das musikalisch wertvollste
Konzert der gesamten Wiener
Klassik! Seine 4 Sonaten für
Kontrabass sind die frühesten
Werke dieser Gattung und geben
Zeugnis seines unglaublichen mu-
sikalischen Ideenreichtums.
Als Virtuose Giovanni Bottesini eben-
bürtig, als Komponist Do-
menico Dragonetti überle-
gen, eröffnet Sperger als
deutscher Komponist der
Wiener Klassik mit seinem
umfangreichen Werk die
Reihe der markanten Er-
scheinungen unserer Kon-
trabass-Geschichte! Seine
Zeitgenossen wussten, was
sie an ihm verloren hatten,
als anläßlich seines Todes
das Mozart-Requiem aufge-
führt wurde – eine Ehre, die
wenigen Instrumentalisten in der langen Musikgeschichte
zuteil geworden sein dürfte!
Viel zu lange lagen seine wertvollen Kontrabass-Kompositi-
onen unbeachtet in der Bibliothek. Im Jahre 2000 gründete
sich in Deutschland die Internationale Johann-Matthias-Sper-
ger-Gesellschaft, der inzwischen viele international bekannte
Kontrabassisten angehören.
Im gleichen Jahr wurde der Internationale
Johann-Matthias-Sperger-Wettbewerb für
Kontrabass ins Leben gerufen. Er steht un-
ter der Schirmherrschaft, dem Patronat von
keinen Geringeren als Zubin Mehta, Anne-
Sophie Mutter und Nikolaus Harnoncourt
und findet im Gedenkjahr 2012 bereits zum
7. Male statt (16.-23.9.2012). Seit dem steht
der Wettbewerb unter der gemeinsamen
Leitung von Prof. Klaus Trumpf und Prof.
Gottfried Engels.
Internationale Sperger-Gesellschaft
A
Sperger-Wettbewerb 2010, Schloss Burg Namedy bei Andernach, Teilnehmer, Juro-
ren und Korrepetitorinnen
v.l.n.r.: Prof. Klaus Trumpf, künstl. Leiter des
Internationalen Johann-Matthias-Sperger-Wett-
bewerbes für Kontrabass, die drei Preisträger
2010 und Prof. Ho-Gyo Lee (Südkorea),
Lehrer der 1. Preisträgerin 2010
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www.spergerwettbewerb.de